Honky Tonk Post

Ganz im Dienst der Szene

1. Januar 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

Country und Folk – sind das nun enge musikalische Verwandte oder stehen sich reaktionäre Cowboystiefel und linke Birkenstocks unversöhnlich gegenüber? Wer in solchen Klischees denkt, sollte einen Blick in die neue Kolumne „Honky Tonk Post“ auf folker.world werfen. Dort schreibt der Historiker Ralf Grabuschnig seit April 2025 über Country abseits des Mainstreams. Mit einem geschulten Blick für gesellschaftliche Hintergründe und einem offenen Ohr für moderne Klänge stellt er attraktive Kulturschaffende diesseits und jenseits von Nashville vor.

Text: Martin Wimmer; Foto: Daniel Nuderscher

Der Österreicher beweist seit Langem mit dem erfolgreichen Podcast Déjà-vu Geschichte, wie spannend historische Themen sein können. Doch seit er vor rund einem Jahrzehnt über Cross Canadian Ragweed, die Kultband des Red Dirt Country (benannt nach dem den US-Bundesstaat Oklahoma prägenden roten Sand), stolperte, insipiert ihn diese Mischung aus Countryrock und traditionellem Songwriterfolk zum Schreiben.

Sein Zugang ist bewusst modern. Statt sich in den Siebzigerjahre-Kanon zu vertiefen, schaut er auf Musikschaffende, die die Szene in jüngerer Zeit prägen – von American Aquarium bis Jason Isbell, für den er auch schon mal acht Stunden Zugfahrt nach Köln auf sich nahm. Besonders angetan haben es ihm Bands, die „sich trauen, etwas Eigenständiges zu machen, die sich nicht in die Fänge der Majorlabels begeben, die nicht nur tauglich fürs Autoradio sein wollen“. Sein Begriff von Indie ist daher stärker durch Marktmechanismen definiert als durch ein politisches Links-rechts-Schema, in dem woke Americanamusik mit dem Skalpell von allem Countryverdächtigen getrennt wird.

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Grabuschnig selbst „kommt aus dem Metal“ – was erklärt, warum er sich für Grenzgänger wie Cody Jinks begeistert, der früher selbst in einer Hardcoreformation spielte. „Mich fasziniert es, zu sehen, wie sich Bands entwickeln. Bei neuen Künstlern lässt sich dieser Prozess noch miterleben – und genau darin liegt für mich der Reiz“, betont er. Alte Legenden wie Johnny Cash, Willie Nelson oder Alabama schätzt er zwar, doch sein Fokus liegt auf dem Hier und Jetzt.

Über seinen Newsletter erreicht er inzwischen ein vierstelliges Publikum. Die Leserschaft ist tendenziell eher männlich, im Schnitt über sechzig Jahre alt und mehrheitlich in Deutschland beheimatet – besonders stark in Bayern, wo die Hinwendung zu Countrymusik ein Relikt aus der Zeit der US-Besatzung ist, wie dem Historiker wohlbewusst ist. Die Abonnenten entdecken in seiner Spotify-Playlist aktuelle Veröffentlichungen unbekannterer Acts. Und sie schätzen gut recherchierte Hintergründe, die über bloße Rezensionen hinausgehen. „Ich möchte zeigen, wie divers Country heute ist – musikalisch, politisch und kulturell.“ Dabei schreckt er auch vor sensiblen Themen nicht zurück, etwa wenn er über KI oder Sklaverei schreibt.

Die „Honky Tonk Post“ erscheint nun monatlich auf folker.world. Gleichzeitig bleibt Ralf Grabuschnig seinem wöchentlichen Newsletter auf der seriösen Medienplattform Steady treu. Dort kann man – wie auch beim folker – Mitglied seiner Community werden, je nach Beitrag auf dem Level „Outlaw“, „Cowboy“ oder „Sheriff“. Nächster Plan des musikaffinen Historikers: die Szene im deutschsprachigen Raum persönlich noch besser kennenzulernen – etwa auf der Countrymesse in Erfurt. Offen bleibt er daher für Ideen und Kontakte: „Ich freue mich über jedes Feedback von folker-Lesern!“

www.ralfgrabuschnig.com

www.folker.world/thema/honky-tonk-post

Newsletterabo bei Steady: https://steady.page/de/honky-tonk-post/newsletter/sign_up

Playlist dazu auf Spotify: https://open.spotify.com/playlist/0cjhWhsZUXi544VxosLgFd

 

Aufmacher:
Ralf Grabuschnig

Foto: Daniel Nuderscher

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